Aktuelles

So, jetzt ist es Juli 2020, der NN-Wurf – neun gesunde Welpen, sechs Jungs und  drei Mädels – ist aus dem Haus und bei ihren Familien angekommen. Alle sind glücklich, also bin ich es auch.

Wir planen mit Payla den nächsten Wurf, das wird sich aber bis zum Winter hinziehen.

Ich lass ein Stück Vergangenheitsbewältigung mal hier unter „Aktuelles“ stehen, weil das immer noch unser „Hundeleben“ bestimmt.

Direkt nach Weihnachten 2016 bekamen wir per Zustellungsurkunde mitgeteilt, dass das Bauamt des Main-Kinzig-Kreises ein Ordnungsverfahren gegen uns eingeleitet hat und uns verbietet, mehr als drei Hunde zu halten und ein Hundezuchtverbot erteilt hat. Schöne Bescherung, oder? Dagegen muss man sich einfach wehren – findet Ihr nicht! In den qualvollen Monaten danach mußten wir viel erdulden, noch mehr Unverständliches ertragen und am Gerechtigkeitssinn verzweifeln. Wir mußten schmerzlich lernen, dass das deutsche Baurecht eines der schwammigsten Rechtsvorschriften ist, die es gibt und dass der Amtsschimmel sich deshalb mächtig auswiehern kann und man der Willkür völlig ausgeliefert ist. Als Präambel des Baurechts oder als Titel sollte man ein Zitat von Friedrich von Schiller verwenden: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ Dabei ist offensichtlich völlig egal, ob der böse Nachbar lügt, maßlos übertreibt oder einfach nur böswillig ist. Es reicht, dass er sich beschwert hat, um den Amtsschimmel in Bewegung zu setzen und Bremsen hat der nicht.

Begründet wurde das Ganze unter anderem damit, dass viele Hund viel Lärm erzeugen könnten und das dadurch die Gesundheit der Nachbarn aufs Aüßerste gefährdet sei. Wir haben über mehrere Monate ein „Bell-Protokoll“ geführt, in dem wir penibel jedes Bellen unserer Hunde mit Anzahl und Dauer dokumentiert hatten. Danach kamen unsere Hunde in einem ganzen Monat auf eine Bellzeit von 8 Minuten als Spitzenwert. Ich habe keinen Mediziner gefunden, der mir zugestanden hat, dass davon Menschen tot umfallen oder krank werden können. Und was sagt das Bauamt dazu? – „Das interessiert uns nicht.“ Es reicht, dass von den Hunden eine potentielle Lärmbelästigung ausgehen könnte, vor denen die Nachbarn geschützt werden müßten.

Und wieso drei Hunde? Das Bauamt sagt: „Drei Hunde sind gerade noch wohngebietstypisch.“ – Und wer bestimmt das? – Das Bauamt sagt: „Das haben wir für uns so festgelegt.“ – Also eine Regel nach Gefühl und Wellenschlag, man könnte aber auch von Willkür sprechen.

Und was ist mit dem Verbot der Hundezucht? Das bleibt bestehen, „aber ein bis zwei Würfe im Jahr sind ja keine Hundezucht“ – wieder Originalzitat Bauamt. Das ist wohl eine der absolut perfidesten Ausprägungen von Dialektik, die ich kenne, da würde sogar der Meister der Dialektik – der alte Stalin – vor Neid erblassen. Das wäre so, als würde man sagen, Mord ist verboten, aber ein bis zwei Leute im Jahr umzubringen, ist (noch) kein Mord.

Was bleibt – wir mußten uns von vielen unserer alten Hunde trennen, auch wenn wir das nicht wollten und es uns unendlich schwer gefallen ist, wir lange nicht darüber hinweg gekommen sind und es noch immer weh tut. Tröstlich ist nur, dass alle Hunde ein tolles neues Zuhause bekommen haben, dass die Dailuaine-Familie uns immens unterstützt hat, moralisch, durch Adoption von Hunden und auch finanziell. Ich kann Euch gar nicht genug dafür danken, ohne Eure Unterstützung hätten wir das wohl nicht ausgehalten und überwunden.

Was bleibt noch? Wir haben drei Hunde behalten und wir werden nicht mehr züchten, aber weiterhin – hoffentlich – Würfe haben.

Schluss mit Trübsal. Es gibt auch noch was Schönes zu berichten. Ich habe meinem Ehe-Faultier was Schönes zu Weihnachten geschenkt – eine Reise nach Schottland zum 15o-jährigen Jubiläum der Golden Retriever. Das mußte sein, sonst hätte er seinen Hintern bestimmt nicht vom Sofa hochgekriegt. Und ich mußte dann halt notgedrungen mitfahren – manchmal muss man halt Opfer bringen.

Aber letztendlich hat es mir auch gefallen. Gewohnt haben wir in einem wunderschönen Cottage mit tollem Ausblick auf Loch Ness. Das Gathering war einmalig – 362 Golden Retriever aus aller Herren Länder auf einem Fleck an der Ruine von Guisachan House, wo der alte Lord Tweedmouth vor 150 Jahren den Golden Retriever erfunden hat. Und zum krönenden Abschluss gab es dann noch eine Championchip Show und ich und Shiloh haben in der Limit Class den zweiten Platz belegt. Und das hat uns die lebenslange Qualifikation für Crufts eingebracht. Crufts, das ist das Wimbledon für Dog Shows – die Königin der Dog Shows. Nur mein Mann ist nicht so ganz glücklich damit, ich habe ihm schon angedroht, dass ich ihm vielleicht bald wieder eine Reise schenken werde.